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Rüdiger Burkart im Kreis von Primarschülern in Ruanda. Rüdiger Burkart mit Schülerinnen und Schülern einer Primarschule in Butare. Mit Schulpatenschaften unterstützt der Kirchenkreis Saar-Ost die Partner in Ruanda. Download

Partnerschaft mit Ruanda

Gemeinsam für eine bessere Zukunft

Der Kirchenkreis Saar-Ost unterhält seit Mitte der 1980er-Jahre eine Partnerschaft mit der Diözese Butare der Anglikanischen Kirche in Ruanda. Der Völkermord von 1994 bedeutete eine empfindliche Zäsur, erinnert sich Rüdiger Burkart. Der Saarbrücker ist der Motor der ehrenamtlichen Partnerschaftsarbeit im Kirchenkreis.

„Ruanda, das ist das Paradies und gleichzeitig ein Stück Hölle.“ Rüdiger Burkart, der Vorsitzende des Partnerschaftsausschusses im Kirchenkreis Saar-Ost, erzählt begeistert von der Schönheit und Vielfalt des afrikanischen Landes. Bestürzt berichtet er aber auch von den tiefen Wunden, die der brutale Genozid von 1994 hinterlassen hat.

Der Kirchenkreis Saar-Ost ist einer von sechs Kirchenkreisen in der Evangelischen Kirche im Rheinland, die Partnerschaftsarbeit in Ruanda leisten.

Seit 1985 gibt es Beziehungen zwischen dem damaligen Kirchenkreis Ottweiler (heute Saar-Ost) mit der Diözese Butare der Anglikanischen Kirche im Süden Ruandas. Rüdiger Burkart ist von Anfang an dabei, wenn er selbst auch erstmals 2007 dorthin reiste – und das Land lieben lernte.

Anfangs Briefe geschrieben

Am Anfang der Zusammenarbeit in den 80er-Jahren ging es darum, Beziehungen und Vertrauen zwischen den Partnern aufzubauen. Erste Besuche wurden organisiert. Ruanda war ein Agrarstaat, die Bevölkerung lebte von der Landwirtschaft. Man kommunizierte damals per Post: „Bis ein Brief aus Deutschland in Ruanda ankam und die Antwort zurück im Saarland war, vergingen mitunter Monate“, erinnert sich Burkart.

Der Genozid von 1994 markiert eine empfindliche Zäsur und erschütterte auch die Fundamente der Partnerschaftsarbeit. Innerhalb von hundert Tagen töteten radikale Hutu mehr als 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. „Unsere Ansprechpartner waren plötzlich nicht mehr da, waren selbst Täter oder Opfer des Völkermords geworden“, sagt Burkart.

Zunächst Soforthilfe gestartet

Erst Ende 1996 konnte wieder eine Delegation aus dem Saarland nach Ruanda reisen. Sie fand ein zerstörtes Land vor, schwer traumatisierte Menschen, viele mittelose Flüchtlinge und ungezählte Waisenkinder, die auf der Straße lebten.

Gemeinsam mit der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) wurde zunächst Soforthilfe für die Bevölkerung des geschundenen Landes auf den Weg gebracht. „Wir haben Container mit Hilfsgütern geschickt, um die Leiden der Menschen zu lindern“, erzählt Burkart. Es wurden Kühe für Pastoren gekauft, Hacken und Solarkocher. Und Ziegen für Witwen, um ihnen Selbstversorgung und eine Existenz zu ermöglichen.

Schwerpunkt Bildung

Dann entschied man sich, schwerpunktmäßig Bildungsmaßnahmen in Butare zu fördern. Ein Schulpatenschaftsprogramm wurde ins Leben gerufen, Paten im Saarland wurden geworben, die jeden Monat 15 Euro spenden und damit jeweils einem Kind den Schulbesuch ermöglichen. Von dem Betrag können das Schulgeld (einschließlich Internatsunterbringung), die Schuluniform sowie Lernmittel und auch die ärztliche Versorgung bezahlt werden.

Rund 4000 junge Menschen aus armen Familien oder Waisen konnten auf diese Weise seit 1996 gefördert werden und an einer der drei Sekundarschulen der Diözese einen mittleren Bildungsabschluss erwerben. Manche haben inzwischen studiert. Die Jugendreferentin des Kirchenkreises, Ulrike Zuda-Tietjen, organisierte ab 2009 mehrere Jugendtreffen zwischen jungen Saarländern und Ruandern.

Handwerkerschule mitaufgebaut

2007 verlängerten Butare und Saar-Ost ihre Partnerschaft für weitere zehn Jahre. Der Kirchenkreis beteiligte sich an Aufbau und Finanzierung eines Kindergartens und einer Handwerkerschule. 2014 startete die Schule mit drei Fachrichtungen, 2016 schlossen die ersten 45 Absolventen ihre Ausbildungen zum Schreiner, Maurer oder Näher ab.

Drei weitere Ausbildungsgänge kamen dazu: Friseurhandwerk, Lederverarbeitung und Schlosser/Schweißer. „Wir haben inzwischen 75 junge Handwerkerinnen und Handwerker ausgebildet. Und wir haben in unseren Hilfsprojekten dazugelernt“, sagt Burkart.

Start ins Berufsleben gefördert

So kauften die Saarländer, unterstützt von einem inzwischen gegründeten Förderverein „Fasha ngo i Butare – Zukunft für Butare“, 32 Nähmaschinen für die frisch ausgebildeten Näherinnen und Näher, um ihnen den Start ins Berufsleben zu ermöglichen. „Die Menschen dort bekommen nämlich nicht einfach so einen Kredit von der Bank, um sich eine Maschine zu kaufen“, erklärt Burkart. Die Mehrheit der Ruander sei immer noch bettelarm.

2018 ist die Partnerschaft erneut um fünf Jahre verlängert worden. Rüdiger Burkart organisiert inzwischen auch Privatreisen nach Ruanda, vor allem für Sponsoren der Hilfsprojekte. Zu jeder Reise gehört auch der Besuch von Genozid-Gedenkstätten, die es im ganzen Land gibt. Sie sollen Zentren des Lernens, des Reflektierens, des Friedens und der Versöhnung sein.

Schwer zu verkraften

Besuche dort seien nicht einfach zu verkraften, berichtet Burkart. In Murambi zum Beispiel würden mumifizierte Leichen gezeigt, an deren Schädeln man noch die Spuren der tödlichen Hiebe erkenne. „Vor allem für Ruander selbst ist der Besuch häufig retraumatisierend. Wir haben schon oft erlebt, dass Menschen laut schreiend aus den Räumen geführt werden mussten“, erzählt er.

Versöhnung braucht einen langen Atem. Die Unterscheidung in Hutu und Tutsi ist in Ruanda heute offiziell verboten. „Aber in vielen Köpfen ist das noch drin“, hat Burkart erfahren. Die Partnerschaftsarbeit hat sein Leben und seine Sicht auf die Welt verändert. Sein Wunsch für die Zukunft Ruandas: dauerhafter Friede und eine gerechtere Verteilung von Besitz und gesellschaftlicher Teilhabe.

Titelgrafik zur Aktion "Ruandas Zukunft braucht Versöhnung" Titelgrafik zur Aktion "Ruandas Zukunft braucht Versöhnung"

"Ruandas Zukunft braucht Versöhnung"

Die Vereinte Evangelische Mission, Brot für die Welt, die Kindernothilfe und die Evangelische Kirche im Rheinland haben anlässlich des Gedenkens an den Völkermord vor 25 Jahren die gemeinsame Aktion "Ruandas Zukunft braucht Versöhnung" gestartet. Nähere Informationen und die Einladung zur Onlinespende finden sich auf der Aktions-Website story.ekir.de/ruanda.

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ekir.de / Ulrike Klös; Foto Karin Burkart / 12.04.2019



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